Nächste Veranstaltungen

10 Okt
BMM 1. Runde
10.10.2021 10:00 - 15:00
21 Nov
BMM 2. Runde
21.11.2021 10:00 - 15:00

Aktuelle Infos

Die aktuellen Trainingszeiten in der Begegnungsstätte:
mittwochs 16.30 Uhr - 19.30 Uhr für alle
mittwochs 16.30 Uhr - 18.00 Uhr für Kinder und Jugendliche
freitags ab 16.30 Uhr für alle

Die Schach-Drachen trauern um Jürgen Reinecke, der, wie wir soeben erfahren haben, schon im Januar von uns gegangen ist. 

Hier folgt ein würdigender Nachruf von Sven-Hendrik Loßin:

Als ich Anfang der 90er Jahre mit 12 Jahren recht spät bei der Schachgemeinschaft Isernhagen anlandete, war die dortige Jugendarbeit im Wesentlichen auf zwei Personen aufgeteilt. Recht fix stieg ich von Bodos Nachwuchsgruppe zu den schachlich etwas ambitionierteren Spielern auf. Dort hatten wir mit Jürgen einen emsigen Trainer, der stets gut vorbereitet interessante Stunden veranstaltete und dabei den Hummelhaufen prima im Griff hatte. Die Partien der Kinder sammelte er ein und notierte seine Analysen mit dem Rotstift, so dass in der Woche darauf gemeinsam geschaut werden konnte, was gut und was schlecht war. Die Jugendmannschaft des Vereins befand sich im Umbruch, da einige starke Spieler aufgehört hatten oder zu alt geworden waren. Dennoch gelang es Jürgen, eine gut funktionierende Truppe aufzubauen und bis in die Jugendliga Nord zu bringen. Zu seinen Schülern gehörte dabei übrigens auch Ilja Schneider, dem er half, sein Potential zu entfalten. Später ergänzte Alexander Bangiev unser Trainerteam und Jürgen zog sich ein wenig in die untere Leistungsklasse zurück. Er zeigte dabei ein außerordentliches Engagement und war insbesondere gut darin, die Geschehnisse zu dokumentieren. Über längere Zeit gab er – teilweise wöchentlich - eine kleine Vereinszeitung heraus, wo man die Stände der Vereinsmeisterschaften und einzelne Partiefragmente nachvollziehen konnte. Darüber hinaus wertete er seine lückenlose Sammlung der Rochade Zeitschriften aus, um daraus eine Vereinschronik zu erstellen.

Zwischen Jürgen und mir entwickelte sich im Laufe der Jahre eine enge Freundschaft. Regelmäßig traf man sich zum Blitz, Tandem oder einfach nur so. Stundenlang konnte man mit ihm telefonieren, ohne dass es langweilig wurde. Jürgen war ein kreativer und phantasievoller Mensch, der seine Arbeit im öffentlichen Dienst nicht gut ertragen konnte und daher freiwillig aus diesem ausgeschieden war. Seine Erfahrungen stellte er mir einmal vor in Form seiner persönlichen Version des Status Quo Songs „In the Army Now“, das er auf „In the Rathaus Now“ umgedichtet hatte. Zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens hatte er ein Studium der Übersetzungstechnik aufgenommen, das er erfolgreich beendete und von da an als Übersetzer aus dem Englischen und Katalanischen ins Deutsche tätig war. Trotz des Studentendaseins war er immer bereit, Fahrten zu übernehmen und die Schach-Kinder bekamen regelmäßig nach den Auswärtsspielen einen Besuch bei einer Fastfood-Kette von ihm spendiert. Als es ihn für längere Zeit in seine zweite Heimat Katalonien zog, war das für die Jugendarbeit im Verein nur schwer zu kompensieren. Immerhin schrieb er von dort ca. alle drei Wochen einen Brief an mich, wo er vom Leben in Katalonien berichtete und kommentierte Partien von seinen schachlichen Aktivitäten vor Ort übersandte. Dort ergriff er auch das Hobby Castels, das Bauen von Menschenpyramiden, für das er sich begeistern konnte.

Darüber hinaus verband uns die Liebe zur Musik der 60er und 70er Jahre. Insbesondere betätigte er sich als Sammler von musikalischen Raritäten von Beatles und Abba.

 

Als ich von seinem Tode erfuhr, kamen mir schöne gemeinsame Erinnerungen, von denen ich viele aufzählen könnte:

Ich war noch kein halbes Jahr im Verein, da kam eine Turniereinladung mit Übernachtung aus Sangerhausen. Mit dabei waren Alexander B, Tobias, Jürgen und ich. Auf der Fahrt durch den winterlichen Harz haben wir uns einen Witz nach dem nächsten erzählt und unheimlich viel Spaß miteinander gehabt. Er war sehr stolz, dass ich das B-Turnier gewinnen konnte und druckte später meine entscheidende Partie vollkommentiert ab. Als Preis habe ich einen Bauchwegtrainer gewonnen, was in Anbetracht meiner Körperstatur und meines Alters damals recht lustig war.

Außerdem erinnere ich mich an einen Mannschaftskampf, den wir als krasser Außenseiter begingen und wo ich nach gerade mal 7 Zügen eine plumpe zweizügige Mattdrohung aufstellte. Jürgen saß am Nebenbrett, tickte mich an und seinen Gesichtsausdruck werde ich nicht vergessen. In ihm war eine Mischung aus „meinst du das ernst“ und „du bist ja ein Schelm“ zu lesen. Tatsächlich fiel mein Gegner darauf rein und den Mannschaftskampf konnten wir hoch gewinnen. Es war meine kürzeste Partie unter Turnierbedingungen.

Gerne denke ich auch an unsere gemeinsamen Badminton-Spiele zurück, sogar am Sportpark-Cup in Isernhagen haben wir zwei Mal teilgenommen. Einen Ausfall der Beleuchtung in der dortigen Sauna nahmen wir zum Anlass, uns an Blindschach zu versuchen. Wir stellten aber schnell fest, dass es im Schach einfach zu viele Bauern gibt, um sich die Stellung bei 90°C noch einprägen zu können.

 

Sein persönliches schachliches Highlight war übrigens ein Sieg im DSB Pokal gegen einen Bremer Bundesliga Spieler. Ansonsten war die DWZ Hürde 2000 für ihn nicht zu nehmen, auch wenn er einmal knapp davorstand. Viel wichtiger waren aber seine Leistungen als Trainer und in diversen Vereinsämtern, in denen er immer wieder Impulse gesetzt hat.

 

Jürgen war ein treuer Freund, ein gutherziger Mensch, der für jeden Spaß zu haben war. Am 24.1. hörte dieses Herz auf zu schlagen. Die Seniorenturniere, die er sich für seinen Lebensabend vorgenommen hatte, werden ohne ihn stattfinden. Der Drache weint.

 

Wir empfinden Dankbarkeit für seine Verdienste um das Schach in Isernhagen und für seine humorvolle und freundliche Art. Er wird noch lange einen Platz in unseren Herzen einnehmen.