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21.11.2021 10:00 - 15:00

„Kevin wird Schach-Drache des Jahres“ 

Nachdem uns der Spielausschuss des Schachbezirkes Hannover am 28.05.2021 mitgeteilt hatte, dass wir neben Döhren-Gleidingen und Wennigsen die Bezirksklasse als Absteiger verlassen sollen, erinnerte ich mich an die Aussage von SF Gläser vom SK Anderten. Er hatte gegenüber Joachim Glaschak geäußert, dass auf Grund des Rückzuges von Steinhude aus der Verbandsliga in der Bezirksklasse nur 2 Mannschaften absteigen.

Ein Abgleich mit dem Liga-Orakel, welches von SF Gläser parametrisiert wird, kam zum gleichen Ergebnis. Definitiv nur 2 Absteiger.

Daraufhin legten wir als Vorstand Einspruch gegen die Wertung des Spielausschusses ein – und ganz ehrlich – viel Hoffnung hatten wir nicht.

Doch dann die Überraschung: Der Spielausschuss setzte einen Stichkampf auf neutralem Boden gegen den drittletzten SK Wennigsen an und folgte damit unserem Einspruch.

Somit spielten wir nun gestern in Lehrte um den Klassenerhalt.

Doch mit welcher Mannschaft? Abgesehen von Michael, Hannes und mir hatte fast niemand in den letzten 15 Monaten eine ernsthafte Partie gespielt und auch wir 3 hatten eigentlich nur online geblitzt. Ich fragte alle Spieler/-innen an, die in Frage kamen und alle bis auf einen hatten Zeit und Lust! Unglaublich – damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Wir spielten dementsprechend mit der mehr oder weniger besten Aufstellung, schließlich war unsere Mannschaft an Brett 1 und 4 durch den Tod von Jürgen und dem Austritt von Detlef doch arg dezimiert.

Wir wurden von Lehrte herzlich empfangen – das Material lag bereit, der Kaffee war gekocht und es konnte losgehen.

Auch Wennigsen konnte eine starke Mannschaft aufbieten, sie mussten allerdings auf Uwe Dräger verzichten.

Die ersten beiden Stunden passierte erwartungsgemäß nicht allzu viel. Jens an Brett 5 gab sein obligatorisches Remisangebot ab und es gab die erste Punkteteilung. Andreas hatte es an Brett 1 mit dem 95-jährigen Bernd Haletzki (1895) zu tun und auch dort einigte man sich nach einem komplizierten Mittelspiel auf Remis. Stark, Andreas – ein nicht eingeplanter halber Punkt!

Hannes versuchte es mit Orang-Utan an Brett 8, aber konnte seinen Gegner nicht überraschen. Auch hier eine Punkteteilung und die Erkenntnis, dass Hannes den höheren Aufgaben gewachsen ist. Respekt.

Nach 3 Remisen wurde ich schon gefragt : „Was passiert eigentlich bei 8x Remis ?“ Nun, die Frage beantwortete Björn Hilker eindeutig : „Dann verbleibt Wennigsen in der Bezirksklasse“. OK. Wir brauchten also ein 4:4 mit besserer Berliner-Wertung oder einen Sieg.

Hans-Jürgen eroberte nach einer Abwicklung im Mittelspiel zwei Bauern und das Endspiel war gewonnen. 2,5:1,5.

Nun mussten die mittleren Bretter die Entscheidung bringen.

Michael hatte nach einer Abwicklung vorteilhaftes Spiel und ich war guter Dinge, dass wir hier vielleicht schon 7 Punkte für die Berliner Wertung einfahren würden. Aber weit gefehlt – kurz darauf kam Michael zu mir und teilte mir mit, dass er einen Turm eingestellt hatte. Oh je! -. 2,5:2,5

Nach Berliner Wertung stand es nun 7:2 für Wennigsen. Ab hier war eigentlich klar, dass wir 4,5 Punkte machen mussten.

Kati drang derweil mit Ihren Schwerfiguren bei Gerd Beiße (1614) ein und dieser hielt dem Druck nicht stand. 3,5:2,5 und 7:8 nach Berliner Wertung.

Zwei Remisen würden jetzt reichen, doch leider war ich als Mannschaftsführer ein schlechtes Vorbild..

Gerhard Harborth (1499) hatte mich im Zentrum überspielt und ich zog eigentlich nur noch, um auf einen Fehler zu hoffen. Ständig ging mein Blick auf Kevin´s Brett, da die Lage nun eindeutig war – Kevin musste gewinnen.

Harborth spielte seinen Vorteil bemerkenswert stark herunter und ich sah so langsam das Licht ausgehen. Wieder mein Blick rüber.

Kevin hatte einen Freibauern, der allerdings noch nicht weit gekommen war. Er stellte seine Bauern bei gleichfarbigen Läufern auf die andere Farbe (stark) – sein Gegner Burghard Meyer (1590) machte es genau anders rum, so dass sein weißer Läufer an seine Bauern gebunden war. Kevin marschierte über die schwarzen Felder mit seinem König Richtung Königsflügel von Meyer (ebenfalls richtig).

Harborth machte jetzt Ernst und stellte mich vor nicht mehr lösbare Aufgaben. Zum Überfluss stellte ich noch einen Turm ein – aber die Partie war auch so schon lange verloren. 3,5:3,5 und 10:8 nach Berliner Wertung für Wennigsen.

Ich stand auf und teilte Kevin mit, dass es nun an ihm liegen würde.. Sehr nett von mir, ich weiß ;-)

Kevin drang mit seinem König nun bis auf „f6“ vor und drohte Matt in 1. Meyer suchte verzweifelt nach einem Ausweg und fand noch einen Zug. Doch Kevin hatte weiter gerechnet und erneuerte die Mattdrohung mit einem Turmschwenk. Der war nicht mehr zu verteidigen und Meyer hatte ein Einsehen. 4,5:3,5 Juchhu

Somit hatte unser Einspruch ein versöhnliches Ende und wir dürfen auch in der kommenden Saison in der Bezirksklasse starten. Klasse!

Kevin wurde von mir auf der Rückreise spontan zum „Schach-Drachen des Jahres“ ernannt. Mit seiner ruhigen, aber doch abgebrühten Art, haben wir es am Ende ihm zu verdanken. Aber auch alle anderen haben ihr Bestes gegeben und alles probiert.

Im neunten Jahr der Mannschaftsführung möchte ich den Sieg jedoch Jürgen Reinecke widmen. Er war lange Wegbegleiter der zweiten Mannschaft und hätte sicherlich, genauso wie ich heute, die „Auf und Abs“ durchlebt und gerne mitgespielt.

Vielleicht hat er uns ja von oben zugeschaut…

Holger, 18.07.21